Antistatische Kleidung: ESD-Schutz für Elektronik & Ex-Bereiche
Antistatische Kleidung: ESD-Schutz für Elektronik & Ex-Bereiche
Antistatische Kleidung leitet elektrische Ladung kontrolliert ab, aber dahinter stecken zwei unterschiedliche Normen. EN 1149-5 schützt Personen in Ex-Bereichen vor zündfähigen Funken, ESD-Kleidung nach DIN EN 61340-5-1 schützt dagegen empfindliche Bauteile vor Entladungsschäden. In der Praxis werden die beiden trotzdem ständig verwechselt, dabei verfolgen sie ganz unterschiedliche Ziele.
Klären Sie deshalb zuerst, in welchem Bereich Ihre Mitarbeiter arbeiten. Wählen Sie die falsche Kollektion, schützen Sie weder Elektronik noch Mitarbeiter zuverlässig vor einer Entladung.
ESD-Polos schützen Platinen in der Elektronikfertigung vor Entladungen ab 100 Volt.
EN-1149-5-Kleidung verhindert als Teil eines geerdeten Systems zündfähige Funken im Ex-Bereich.
Erst Kleidung, Schuhe und geerdeter Boden zusammen ergeben ein wirksames Ableitsystem.
Wofür schützt antistatische Kleidung genau: Ex-Bereich oder Elektronik?
Antistatische Kleidung nach EN 1149-5 ist Persönliche Schutzausrüstung für Menschen, die in explosionsgefährdeten Bereichen arbeiten. Sie verhindert, dass sich auf der Kleidung eine elektrische Ladung aufbaut, die sich als Funke entlädt und eine explosionsfähige Atmosphäre zündet.
Die DIN EN 1149-5:2018 gilt genau dann, wenn die Mindestzündenergie der Atmosphäre nicht unter 0,016 Millijoule liegt. Damit die Norm greift, muss die Kleidung Teil eines vollständig geerdeten Systems sein: Personal und alle leitfähigen Teile müssen über einen Widerstand von weniger als 10^8 Ohm mit der Erde verbunden sein.
Gut zu wissen: EN 1149-5 ist eine reine Personenschutz-Norm für den Ex-Bereich. Sie sagt nichts darüber aus, ob dieselbe Kleidung auch elektronische Bauteile vor Entladungsschäden schützt. Für den Bauteilschutz gilt die separate Normreihe DIN EN 61340-5-1.
Genau diese zweite Aufgabe übernimmt ESD-Kleidung. DIN EN 61340-5-1 definiert elektronische Bauteile bereits dann als empfindlich, wenn sie auf Entladungen ab 100 Volt nach dem Human Body Model, ab 200 Volt nach dem Charged Device Model oder ab 35 Volt an isolierten Leitern reagieren. Diese Werte liegen weit unter dem, was ein Mensch beim Berühren eines Bauteils überhaupt spürt, deshalb reicht schon ein kurzer, unbemerkter Kontakt, um eine Platine zu zerstören. ESD-Kleidung leitet genau diese unbemerkte Ladung kontrolliert ab, bevor sie das Bauteil erreicht.
Prüfen Sie deshalb bei der Beschaffung, ob Ihre Mitarbeiter vor einer Zündung geschützt werden müssen oder ob Ihre Bauteile vor einem Defekt geschützt werden sollen. Beide Antworten können in unterschiedlichen Produkten liegen, auch wenn Anbieter sie gerne unter demselben Begriff bewerben.
Welche ESD-Kleidungsteile brauchen Sie und wie wirken sie im System?
Kolzen bietet ESD-Bekleidung nach EN 61340 an, die den Bauteilschutz vom Oberteil bis zur Hose abdeckt und sich bei Bedarf um individuelle Fertigung nach Kundenvorgaben ergänzen lässt.
ESD-Polos und -Shirts: geeignet für Sitzarbeitsplätze in der Elektronikmontage, meist mit Handgelenkband kombiniert.
ESD-Sweatjacken: zusätzlicher Schutz für kühlere Fertigungshallen, bei Kolzen ab 82,90 Euro erhältlich.
ESD-Hosen: schließen die Ableitkette von der Jacke bis zum Schuh, wichtig beim Bücken oder Sitzen.
ESD-Kittel: schnell über der eigenen Kleidung angezogen, praktisch für Besucher oder wechselnde Arbeitsplätze.
Keines dieser Teile funktioniert allein. Antistatische und ESD-Schutzkleidung wirkt nur als geschlossenes System aus Kleidung, ableitfähigem Schuhwerk und einem geerdeten, ableitfähigen Boden. Fehlt ein Glied dieser Kette, bleibt die Ladung auf der Person, ganz gleich wie hochwertig das Shirt selbst ist.
Deshalb gehören ESD-Schuhe fest zu jeder Beschaffung dazu. Wie Sie die passende Klasse zwischen S1 bis S3 auswählen und welcher Schuh zu welchem Boden passt, beschreibt der Beitrag Sicherheitsschuhe mit ESD, Normen und Auswahl. Am Sitzarbeitsplatz ergänzt zusätzlich ein Handgelenkband die Ableitung, weil der Schuhkontakt zum Boden dort oft fehlt.
Reine ESD-Kleidung oder MultiNorm-Kombi: Welche Lösung passt zu Ihrem Bereich?
Reine ESD-Kleidung genügt in trockenen Fertigungshallen ohne zusätzliche Brand- oder Ex-Gefahr, etwa in der Platinenbestückung oder am Prüfplatz. Sobald zur elektrostatischen Aufladung noch eine Hitze-, Störlichtbogen- oder Ex-Gefahr hinzukommt, deckt reine ESD-Kleidung diesen zusätzlichen Bedarf nicht ab.
Für diesen Fall gibt es flammhemmende, antistatische MultiNorm-Kleidung, die die Normen EN ISO 11612 und EN 1149-5 gleichzeitig erfüllt. Diese Kombination eignet sich für Bereiche, in denen sowohl Hitzeschutz als auch der Schutz vor zündfähigen Entladungen gefragt ist:
Metallverarbeitung mit Funkenflug in der Nähe von Ex-Zonen.
Elektrotechnik mit Störlichtbogen-Risiko und elektrostatischer Aufladung.
Anlagenbau in Raffinerien und der Petrochemie.
Wichtig für die Auswahl: EN-1149-5-Kleidung ist im Sinne des Bauteilschutzes nicht automatisch ESD-tauglich. Prüfen Sie beim Kauf beide Kennzeichnungen einzeln – der Begriff "antistatisch" allein sagt darüber wenig aus.
Arbeiten Ihre Mitarbeiter in der PetroChemie oder in Raffinerien, kombiniert MultiNorm-Schutzkleidung flammhemmende, antistatische und chemikalienfeste Eigenschaften nach den jeweils einschlägigen EN-Normen. Kolzen bietet diese MultiNorm-Kollektionen auf Rechnung an.
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Wie bestellen Sie ESD-Kleidung mit Logo bei Kolzen?
Im ESD/EPA-Sortiment von Kolzen finden Sie hochleitfähige Arbeitskleidung von der ESD-Sweatjacke bis zum ESD-Polo-Shirt, dazu passendes Zubehör für den Ex- und Elektronikbereich. Der Bestellweg folgt fünf Schritten.
Bereich klären: EPA-Elektronikfertigung, Ex-Zone oder Kombination mit Hitzeschutz festlegen.
Kollektion wählen: reine ESD-Kleidung, EN-1149-5-Kleidung oder MultiNorm-Kombi je nach Gefahr.
Größen und Stückzahl angeben: Konfektionsgrößen aus dem Sortiment oder individuelle Fertigung.
Logo-Veredelung anfragen: Position gegen die leitfähigen Fasern prüfen lassen.
Bestellung abschließen: Zahlungsart je nach Kollektion und Bestellwert wählen.
Das Sortiment deckt gängige Konfektionsgrößen ab und lässt sich bei Bedarf um individuell gefertigte Teile nach Ihren Maßen erweitern. Für Firmenkunden veredelt Kolzen die ESD-Kleidung mit Logo. Beim Veredeln von leitfähigem Gewebe sollte die Position von Druck oder Stickerei grundsätzlich gegen die leitfähigen Bahnen im Stoff geprüft werden, sonst entsteht an genau dieser Stelle eine Lücke im Ableitsystem.
Die MultiNorm-Schutzkleidung von Kolzen für PetroChemie und Raffinerien lässt sich auf Rechnung bestellen. Damit lässt sich eine größere Erstausstattung für mehrere Arbeitsplätze ohne Vorabzahlung beschaffen und erst nach Lieferung begleichen.
Das komplette ESD/EPA-Sortiment finden Sie im Kolzen-Shop, inklusive der passenden ESD-Schuhe und des Zubehörs für Ihren Arbeitsplatz.
Wie pflegen Sie ESD-Kleidung, damit die Ableitfähigkeit erhalten bleibt?
Waschen Sie ESD-Kleidung bei maximal 60 Grad. Diese Empfehlung stammt aus dem Branchenkonsens mehrerer Textilservice-Anbieter und ist keine feste Normvorgabe, gilt aber als bewährte Praxis, um die leitfähigen Fasern im Gewebe nicht zu beschädigen.
Waschtemperatur von maximal 60 Grad einhalten.
Auf Weichspüler und Bleichmittel verzichten.
Lufttrocknung anstelle des Wäschetrockners bevorzugen.
Weichspüler gilt in der Branche als besonders kritisch für leitfähige Fasern, deshalb raten Textilservice-Anbieter unabhängig voneinander davon ab. Ein Hersteller-Datenblatt für einen ESD-Arbeitsmantel nennt als Richtwert 50 Waschzyklen bis zur empfohlenen erneuten Prüfung der Schutzeigenschaften, dieser Wert ist allerdings produktspezifisch und lässt sich nicht auf jedes Modell übertragen.
Kontrollieren Sie ESD-Kleidung deshalb regelmäßig auf sichtbaren Verschleiß an Nähten und Kontaktstellen, besonders nach vielen Waschgängen. Ein optisch unauffälliges Shirt kann seine Ableitfähigkeit trotzdem verloren haben, wenn die leitfähigen Fäden durch häufiges Waschen gebrochen sind.
Vom einzelnen Shirt zum durchgängigen Ableitsystem
Ein Betrieb, der nur die Kleidung austauscht, aber Schuhe und Boden unverändert lässt, hat am Ende trotzdem keinen Schutz erreicht. Die Ableitkette ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied, und das ist in der Praxis selten das Shirt selbst, sondern oft der ungeprüfte Boden oder ein verschlissener Schuh.
Prüfen Sie deshalb bei jeder Neuanschaffung nicht nur die Kleidung, sondern auch, ob Schuhe und Bodenbelag noch zur gleichen Widerstandsklasse passen. Eine regelmäßige Kontrolle dieser drei Punkte verhindert teure Ausfälle an Bauteilen oder im schlimmeren Fall eine Zündung im Ex-Bereich.
Wenn Sie unsicher sind, ob reine ESD-Kleidung für Ihren Bereich reicht oder eine MultiNorm-Kombination nötig ist, hilft Ihnen unser Beratungsteam bei der Einordnung Ihrer Gefährdungsbeurteilung weiter.
Häufige Fragen zu antistatischer und ESD-Kleidung
Reicht ESD-Kleidung allein für den Einsatz in einer Ex-Zone aus?
Nein, ESD-Kleidung nach DIN EN 61340-5-1 schützt nur Bauteile vor Entladungsschäden. Für den Personenschutz in Ex-Zonen ist zusätzlich Kleidung nach EN 1149-5 nötig, die als Teil eines vollständig geerdeten Systems zündfähige Funken verhindert.
Wie lange dauert es, bis eine ESD-Sweatjacke ihre Schutzwirkung verliert?
50 Waschzyklen nennt ein Hersteller für einen ESD-Arbeitsmantel als Richtwert bis zur empfohlenen erneuten Prüfung. Dieser Wert lässt sich nicht pauschal auf jedes Modell übertragen, eine sichtbare Abnutzung an Nähten und Kontaktstellen ist ein zusätzliches Warnsignal.
Muss ich unter ESD-Kleidung auch auf normale Unterwäsche verzichten?
Nein, für den reinen ESD-Bauteilschutz ist das nicht vorgeschrieben. Für EN-1149-5-Kleidung im Ex-Bereich gilt dagegen, dass alle nicht ableitfähigen darunterliegenden Kleidungsstücke vollständig abgedeckt sein müssen und aufladbare Metallteile wie Knöpfe verdeckt zu tragen sind.
Kann ich ESD-Kleidung mit Firmenlogo bedrucken lassen, ohne die Schutzwirkung zu verlieren?
Ja, das ist möglich, wenn die Position der Veredelung die leitfähigen Fasern im Gewebe nicht durchtrennt. Prüfen Sie vor dem Druck oder der Stickerei, an welcher Stelle im Stoff die leitfähigen Bahnen verlaufen, um die Ableitfähigkeit zu erhalten.
Brauche ich für die Elektronikfertigung zwingend eine EPA mit ableitfähigem Boden?
Ja, ohne ableitfähigen Boden bleibt die Ladung auf der Person, selbst wenn Kleidung und Schuhe korrekt geerdet sind. Kleidung, Schuhwerk und Boden bilden gemeinsam das Ableitsystem, das eine Electrostatic Protected Area erst wirksam macht.
