Arbeitskleidung schwer entflammbar: DIN-Normen im Überblick
Arbeitskleidung schwer entflammbar: DIN-Normen & Auswahl
Schwer entflammbare Arbeitskleidung nach DIN ist kein Normbegriff. Ob ein Kleidungsstück Ihre Anforderung erfüllt, entscheiden die DIN-EN-ISO-Normen auf dem Etikett samt Codebuchstaben und Leistungsstufen. Wenn Sie diese Angaben aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung ableiten und im Angebot prüfen, bestellen Sie die passende Schutzkleidung schon beim ersten Mal.
Ersetzen Sie „schwer entflammbar“ im Lastenheft durch Normnummer mit Jahr und Leistungsstufe.
Für Hitze und Flammen gilt EN ISO 11612 (Codes A bis F), für Schweißarbeiten zusätzlich EN ISO 11611.
Flammschutzkleidung ist PSA der Kategorie III, deshalb muss hinter dem CE-Zeichen die Kennnummer der notifizierten Stelle stehen.
Inhärente Fasern wie Aramid behalten ihren Flammschutz dauerhaft, bei ausgerüsteter Baumwolle zeigt der Waschcode die geprüfte Wäschezahl.
Was schwer entflammbare Arbeitskleidung nach DIN wirklich bedeutet
„Schwer entflammbar“ ist eine umgangssprachliche Beschreibung, keine geschützte Normbezeichnung. Allein die Normnummer mit Leistungsstufe auf dem Etikett zählt. Werbeaussagen auf Verpackung oder im Katalog sichern Sie im Ernstfall nicht ab.
Begriff | Bedeutung im Alltag | Normativer Bezug |
|---|---|---|
schwer entflammbar | Stoff fängt nicht sofort Feuer und brennt nicht weiter | Keine Normdefinition, gemeint ist meist begrenzte Flammenausbreitung nach DIN EN ISO 14116 oder Code A der DIN EN ISO 11612 |
flammhemmend | Sammelbegriff für Kleidung mit Flammschutz | Nur mit Normnummer belastbar. „Flammhemmend ausgerüstet“ bezeichnet eine chemische Behandlung des Gewebes |
flammbeständig | Häufig für Gewebe aus inhärent flammhemmenden Fasern verwendet | Kein Prüfbegriff, maßgeblich bleibt die zertifizierte Norm |
FR | Englisches Kürzel für flame resistant oder flame retardant | Herstellerkürzel ohne eigene Prüfung |
Multinorm | Ein Kleidungsstück schützt gegen mehrere Gefährdungen | Gemeinsame Zertifizierung nach mehreren Normen, etwa Flammschutz plus Antistatik |
Steht in Ihrem Lastenheft „schwer entflammbar“, übersetzen Sie die Formulierung vor der Anfrage in eine Normnummer mit Stufe. Damit erhalten Sie vergleichbare Angebote und eine Entscheidung, die Sie gegenüber Einkauf und Betriebsrat sauber begründen.
Welche Norm für welche Gefährdung gilt
Fünf Normen decken die Gefährdungen ab, die hinter „schwer entflammbar“ stecken. Die wichtigste ist DIN EN ISO 11612 in der gültigen Ausgabe 2015-11. Die Revision liegt seit Februar 2025 als Entwurf vor und gilt noch nicht. Code A ist dort Pflicht und prüft begrenzte Flammenausbreitung. A1 und A2 bezeichnen dabei das Prüfverfahren, also Flächen- oder Kantenbeflammung. Dazu kommt mindestens ein weiterer Code von B bis F, und hier gilt: Je höher die Ziffer, desto stärker der Schutz.
Norm | Gefährdung | Wichtigste Stufen und Codes | Kurzhinweis |
|---|---|---|---|
DIN EN ISO 11612 (2015-11) | Hitze und Flammen | A1/A2 Pflicht, dazu B konvektive Wärme, C Strahlungswärme (1 bis 4), D Aluminiumspritzer, E Eisenspritzer, F Kontaktwärme (1 bis 3) | Gegen Metallspritzer nur mit Code D oder E |
Kurzer, vereinzelter Kontakt mit einer kleinen Flamme | Index 1 bis 3 | Index 1 nie direkt auf der Haut, kein Schutz gegen Strahlungs- oder Konvektionswärme | |
DIN EN ISO 11611 | Schweißen und verwandte Verfahren | Klasse 1 (mind. 15 Tropfen, z. B. WIG) und Klasse 2 (mind. 25 Tropfen, z. B. MAG, Stabelektrode, Zwangslagen) | Klasse 2 für spritzerintensive Verfahren |
DIN EN 1149-5 (2018-11) | Elektrostatische Entladung im Ex-Bereich | Material- und Konstruktionsanforderungen | Wirkt nur mit ableitfähigen Schuhen und geerdetem Boden |
DIN EN IEC 61482-2 | Störlichtbogen | APC 1 (4 kA), APC 2 (7 kA), jeweils 500 ms, alternativ ELIM/ATPV in cal/cm² | Schutz nur im vollständig geschlossenen Anzug |
Bei Schweißerkleidung entscheidet die Klasse über die Einsatzdauer am Lichtbogen: Klasse 1 hält Strahlungswärme mindestens 7 Sekunden zurück, Klasse 2 mindestens 16 Sekunden. Die Störlichtbogennorm prüft im Boxtest mit rund 160 kJ Lichtbogenenergie für APC 1 und rund 320 kJ für APC 2. Ein Störlichtbogen dauert meist unter einer Sekunde und erreicht dabei über 10.000 °C.
Codekette entschlüsselt: Ein Etikett mit A1 B2 C2 D1 E3 F1 nennt sechs Gefährdungsarten mit ihrer jeweils erreichten Stufe. Zwei Jacken mit identischem Piktogramm schützen deshalb gegen völlig unterschiedliche Risiken. Ein Teil mit nur A1 B1 C1 hält keine Metallspritzer ab.
Etikett und Angebot selbst prüfen: die Kontrollroutine
Mit sechs Prüfschritten erkennen Sie in wenigen Minuten, ob ein Kleidungsstück zertifiziert ist und zu Ihrer Anforderung passt. Gehen Sie das Etikett in dieser Reihenfolge durch:
Das Piktogramm zeigt die geprüfte Gefährdung, ersetzt aber nie den Blick auf die Codes.
Die Normnummer steht mit Ausgabejahr auf dem Etikett, zum Beispiel mit dem Zusatz „:2015“ hinter der Norm.
Codebuchstaben und Stufen gleichen Sie mit Ihrer Gefährdungsbeurteilung ab, bei Hitze- und Flammschutz also die komplette Codekette.
Hinter dem CE-Zeichen steht die Kennnummer der notifizierten Stelle, die die Fertigung mindestens jährlich überwacht.
EU-Baumusterprüfbescheinigung und Konformitätserklärung fordern Sie beim Lieferanten an und prüfen das Ausstellungsdatum.
Das Pflegeetikett nennt Waschverfahren und die Zahl der geprüften Wäschen.
Die rechtliche Grundlage dafür liefert die PSA-Verordnung (EU) 2016/425: Der Hersteller darf das CE-Zeichen nur mit gültiger EU-Baumusterprüfbescheinigung anbringen. CE-Zeichen ohne Kennnummer ist bei Flammschutzkleidung ein klares Warnsignal. Dasselbe gilt für Angebote, die nur „flammhemmend ausgerüstet“ bewerben und keine Normnummer mit Jahr nennen. Fordern Sie in solchen Fällen die Konformitätserklärung an, bevor Sie bestellen.
Frist für Rahmenverträge: EU-Baumusterprüfbescheinigungen gelten höchstens fünf Jahre. Wenn Sie mehrjährig beschaffen, lassen Sie sich bei jeder Nachlieferung die aktuelle Bescheinigung bestätigen.
Normkombination pro Arbeitsplatz: von der Gefährdungsbeurteilung zur Bestellung
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Ihre Gefährdungsbeurteilung liefert die Normkombination direkt: Jede festgestellte Gefährdung entspricht einer Norm, jede Intensität einer Stufe.
Raffinerie und Tanklager
Hier treffen Flammen auf explosionsfähige Atmosphäre. Sie benötigen Hitze- und Flammschutz kombiniert mit Antistatik, ergänzt um ableitfähige Sicherheitsschuhe. Für den Beinschutz finden Sie im Kolzen Online-Shop Multinorm-Flammschutzhosen für den Einsatz in Raffinerien und Tanklagern.
Stadtwerke und Energieversorger
Für Energieversorger und Stadtwerke führt Kolzen Multinorm-Jacken und Bundhosen, die mit Flammschutz und Antistatik zertifiziert sind, meist zusätzlich mit der Schweißernorm. Kommen Schaltarbeiten hinzu, ergänzen Sie den Störlichtbogenschutz und legen die APC-Klasse über Ihre Gefährdungsbeurteilung fest.
Schweißen und Metallverarbeitung
Schweißer brauchen DIN EN ISO 11611, für MAG-Schweißen und Arbeiten in Zwangslage in Klasse 2. Verarbeiten Sie flüssiges Metall, fordern Sie zusätzlich Code D oder E der Hitzeschutznorm. Die Schweißerhemden im Kolzen Online-Shop sind nach der Schweißer- und der Hitzeschutznorm zertifiziert und zusätzlich antistatisch. Wählen Sie die Hose mit derselben Normkombination, damit Oberkörper und Beine gleich geschützt sind.
Automobilindustrie und Hochvolt
Bei Arbeiten an Hochvoltbatterien bestimmt das Störlichtbogenrisiko die Auswahl. Legen Sie über die Gefährdungsbeurteilung fest, ob APC 1 oder APC 2 nötig ist, und kombinieren Sie den Störlichtbogenschutz mit Hitze- und Flammschutz. Als Oberteil für APC 2 führt Kolzen zum Beispiel ein flammhemmendes Warnschutz-Sweat-Shirt für Störlichtbogen Klasse 2.
Für das Lastenheft schreiben Sie Normnummer, Ausgabejahr und Mindeststufe aus. Jeder Lieferant weiß damit genau, was Sie verlangen. Schicken Sie Kolzen diese Liste mit Stückzahl und Größen, und Sie erhalten ein Angebot mit den passenden Zertifikaten.
Bestelltext in einer Zeile: Norm + Ausgabejahr + Codes bzw. Klasse + Zusatznormen. Beispiel für den Ex-Bereich: DIN EN ISO 11612:2015 A1 B1 C1, DIN EN 1149-5:2018.
Material und Haltbarkeit: inhärent oder ausgerüstet?
Inhärent flammhemmende Kleidung schützt über die gesamte Lebensdauer, ausgerüstete Kleidung nur so lange, wie die Ausrüstung wirkt. Bei inhärenten Geweben steckt der Flammschutz in der Faser selbst, etwa in Aramid oder Modacryl, und lässt sich nicht auswaschen. Ausgerüstete Baumwolle erhält ihren Schutz durch eine chemische Behandlung, deren Wirkung endlich ist. Ein Aramid-Gewebe mit eigenem Markennamen ist Nomex.
Industriewäsche beansprucht Gewebe deutlich stärker als die Haushaltsmaschine, vor allem durch die höhere Alkalinität der Waschflotte und das Heißluft-Finish. Bei ausgerüsteter Baumwolle verschlechtert sich das Brandverhalten mit steigender Zahl der Wäschen nachweislich. Wie lange der Schutz hält, legt der Hersteller für jedes Produkt fest und schreibt es als Waschcode auf das Pflegeetikett. Steht dort „5H“, ist die Schutzwirkung nach fünf Wäschen nachgewiesen.
Rechenbeispiel: Waschen Sie ein Teil mit dem Code „5H“ einmal pro Woche, ist der geprüfte Bereich nach rund fünf Wochen ausgeschöpft. Planen Sie Tauschzyklen und Nachbestellungen deshalb direkt aus Waschcode und Waschrhythmus.
Planen Sie die Trageakzeptanz gleich mit ein. Leichtere Multinorm-Gewebe mit Stretch-Einsätzen geben Ihren Mitarbeitern Bewegungsfreiheit und sorgen dafür, dass die Kleidung den ganzen Tag getragen wird.
Pflege, Logo-Druck und die Fehler, die die Zertifizierung kosten
Die Zertifizierung bleibt gültig, solange Sie Pflegeetikett und Herstellervorgaben einhalten. Geben Sie ausgerüstete Ware an eine Wäscherei mit PSA-Erfahrung und dokumentieren Sie die Zahl der Wäschen je Teil. Ablegereif ist ein Kleidungsstück, sobald die geprüfte Zyklenzahl erreicht ist oder Löcher und defekte Verschlüsse den Schutz unterbrechen. Reparaturen und Änderungen darf nur der Hersteller vornehmen.
Für Firmenlogos, Namensschilder und Reflexstreifen gilt dasselbe Prinzip: Flammschutzkleidung ist PSA der Kategorie III, jede Veränderung erfolgt über den Hersteller mit Meldung an das Prüfinstitut. Ein nachträglich aufgebrachtes Logo aus nicht flammhemmendem Material kann die Zertifizierung aufheben. Kolzen bedruckt Schutzkleidung flammhemmend mit Ihrem Firmenlogo. Stimmen Sie Verfahren und Position vor der Bestellung direkt mit dem Kolzen-Team ab.
Im Einsatz wirkt die Kleidung nur als geschlossenes System: Jacke über der Hose, Ärmel unten, alle Verschlüsse zu, darunter keine schmelzenden Kunstfasern. Diese fünf Beschaffungsfehler vermeiden Sie mit wenig Aufwand:
Werbebegriffe wie „FR“ oder „flammhemmend“ akzeptieren, obwohl Normnummer und Codekette fehlen.
Die Leistungsstufe zu niedrig ansetzen, etwa Schweißerklasse 1 für MAG-Arbeiten.
Im Ex-Bereich die Antistatik vergessen.
Ausgerüstete Kleidung ohne Zyklenkontrolle waschen und über die geprüfte Wäschezahl hinaus tragen.
Bestände mit unterschiedlichen Codeketten mischen, sodass Jacke und Hose nicht dasselbe Schutzniveau bieten.
Vom Lastenheft zur richtigen Bestellung
Die Entscheidung fällt selten bei der einzelnen Norm. Sie fällt dort, wo Gefährdungsbeurteilung, Codekette und Etikett lückenlos zusammenpassen. Leiten Sie deshalb im ersten Schritt aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung benötigte Normen mit Mindeststufen ab und halten Sie sie als Bestelltext fest. Mit dieser Liste fordern Sie bei Kolzen ein individuelles Angebot an und erhalten Kleidung, Konformitätserklärung und Baumusterprüfbescheinigung aus einer Hand, auf Wunsch mit flammhemmend aufgedrucktem Firmenlogo.
Häufige Fragen zu schwer entflammbarer Arbeitskleidung
Was ist der Unterschied zwischen schwer entflammbar und feuerfest?
Schwer entflammbare Kleidung begrenzt die Flammenausbreitung und schützt bei kurzem Flammkontakt und Hitze. Vollständig feuerfest ist sie nicht. Für anhaltende Hitzequellen brauchen Sie speziellere Schutzkleidung, die meist schwerer und weniger atmungsaktiv ist.
Schützt eine Störlichtbogenjacke automatisch auch beim Schweißen?
Nein. Jede Norm wird einzeln geprüft und zertifiziert, Schweißerschutz besteht nur, wenn DIN EN ISO 11611 mit Klasse auf dem Etikett steht. Multinorm-Teile vereinen mehrere Normen, gelten aber ausschließlich für die dort aufgeführten.
Welche Unterwäsche gehört unter flammhemmende Arbeitskleidung?
Baumwolle, Wollgemisch oder flammhemmende Unterwäsche. Polyester kann unter Hitze schmelzen und mit der Haut verkleben, auch unter einer normgerechten Jacke. Baumwoll-T-Shirts schützen selbst nicht, verhindern aber dieses Einschmelzen.
Worauf achte ich, wenn Jacke und Hose von verschiedenen Herstellern stammen?
Auf dieselbe Normkombination mit mindestens den geforderten Stufen in beiden Teilen. Achten Sie besonders auf den Übergang: Die Jacke muss über der Hose liegen, denn dort sitzt die häufigste Schwachstelle.
Darf ich antistatische Schutzkleidung im Ex-Bereich an- oder ausziehen?
Nein. Beim Trennen zweier Textiloberflächen entsteht die stärkste Aufladung. Wechseln Sie antistatische Kleidung deshalb außerhalb des Ex-Bereichs und lassen Sie die Jacke dort geschlossen, damit die Ableitung nicht unterbrochen wird.
Wo bekomme ich ein individuelles Angebot für schwer entflammbare Arbeitskleidung mit den passenden Normnachweisen?
Direkt bei Kolzen. Senden Sie Ihre geforderten Normen mit Stufen, Stückzahlen und Größen, und Sie erhalten ein Angebot samt Konformitätserklärung und Baumusterprüfbescheinigung. Preise nennt Kolzen auf Anfrage passend zu Ihrer Menge und Veredelung.
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