Schutzhelm mit Visier: Normen, Modelle & Einsatz
Schutzhelm mit Visier: Modelle, Normen & Einsatz
Ein Schutzhelm mit Visier schützt Ihr Team nur dann zuverlässig, wenn das Visiermaterial zur Gefahr und die Normkombination zum Einsatz passt. Zwischen klarem Polycarbonat, Gittervisier und Störlichtbogenschutz nach GS-ET-29 liegen entscheidende Unterschiede, und eine falsche Wahl fällt spätestens beim UVV-Check auf.
Klären Sie vor der Bestellung, welches Visier zu welcher Gefahr passt, etwa Polycarbonat gegen Splitter oder Gittervisier gegen Astsplitter.
Wählen Sie die passende Isolationsklasse nach EN 50365, etwa Klasse 0 bis 1000 V AC für Elektrofachbetriebe im Niederspannungsbereich.
Tauschen Sie elektrisch isolierende Helme spätestens fünf Jahre nach Erstbenutzung aus.
So beschaffen Sie normkonform und gehen gut vorbereitet in jedes Audit und jeden UVV-Check.
Schutzhelm mit Visier: welches Visier schützt vor welcher Gefahr?
Die Gefahr bestimmt das Visier. Ordnen Sie zuerst die Hauptgefährdung zu, dann wählen Sie das Material der Scheibe:
Visier-Typ | Schützt vor | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
Klares Polycarbonat-Visier (Klapp- oder Vollvisier) | Splitter, Metallspritzer, wegfliegende Partikel | Schleifen, Trennen, Montage, Metallbau |
Gitter- bzw. Drahtgittervisier | Grobe Splitter, etwa Astsplitter | Forst- und Grünarbeiten, Grobarbeiten ohne feine Partikel |
Getöntes oder verspiegeltes Visier | Blendung durch Sonne oder helle Lichtquellen | Außeneinsatz, Arbeiten im Gegenlicht |
Elektriker-Gesichtsschutz mit Störlichtbogen-Nachweis | Störlichtbogen, Hitze, UV-Anteil des Lichtbogens | Schaltanlagen, Verteilungen, Arbeiten unter Spannung |
Das klare Polycarbonat-Visier ist der Standard für Industrie- und Handwerksbetriebe, in denen Splitter und Spritzer zum Arbeitsalltag gehören. Voll- und Halbvisiere nach EN 166 und EN 16321-1 bündelt Kolzen in seinem Online-Shop auf arbeitsschutz-arbeitskleidung.de in der Kolzen-Kategorie Visiere. Achten Sie beim Kauf darauf, für welches Helmmodell das Visier freigegeben ist.
EN 397, EN 50365, EN 166/170 und GS-ET-29: was der Helm können muss
Jede dieser Normen deckt einen eigenen Schutzbereich ab. Erst die richtige Kombination macht Ihren Helm einsatzfähig.
Norm | Was sie prüft | Was sie nicht abdeckt |
|---|---|---|
EN 397 | Schutz vor herabfallenden Gegenständen und Anstoßen; optional 440V, Metallspritzer (MM), seitliche Verformung (LD), sehr hohe oder niedrige Temperatur | Arbeiten unter Spannung, Störlichtbogen, Gesichtsschutz |
EN 50365 | Elektrische Isolation in den Klassen 00, 0, 1 und 2, zusätzlich zu EN 397 bzw. EN 14052 | Störlichtbogen |
EN 166 / EN 170 | Augen- und Gesichtsschutz: optische Klasse, Stoßfestigkeit; EN 170 regelt Schutzstufen für UV-Filter | Störlichtbogen, Kopfschutz |
GS-ET-29 | Störlichtbogenprüfung des Elektriker-Gesichtsschutzes im Arc-Box-Test, Klassen 1 und 2 | Mechanischen Kopfschutz und elektrische Isolation des Helms |
Für Elektroarbeiten ist die 440V-Angabe auf dem Helm die Stelle, an der Beschaffer am häufigsten danebengreifen.
Häufigster Auswahlfehler: Die 440V-Zusatzkennzeichnung eines Industrieschutzhelms steht für Schutz bei kurzzeitigem, unbeabsichtigtem Kontakt mit Wechselspannung. Sobald Ihre Mitarbeiter unter Spannung oder in deren Nähe arbeiten, wählen Sie einen elektrisch isolierenden Helm der passenden Klasse. Damit ist die Frage bei jeder Prüfung eindeutig beantwortet.
Die Isolationsklasse ergibt sich aus der Spannung, mit der Ihr Team arbeitet. Die DGUV Regel 112-193 ordnet die Isolationsklassen so zu:
Klasse 00: bis 500 V AC bzw. 750 V DC
Klasse 0: bis 1000 V AC bzw. 1500 V DC
Klasse 1: bis 7500 V AC
Klasse 2: bis 17000 V AC
Für Elektrofachbetriebe im Niederspannungsbereich ist Klasse 0 die typische Wahl, Klasse 1 und 2 betreffen Mittelspannung bei Energieversorgern. Planen Sie den Tausch fest ein: Elektrisch isolierende Helme dürfen ab Erstbenutzung höchstens fünf Jahre im Einsatz bleiben.
Der Prüfgrundsatz GS-ET-29 der DGUV Test ergänzt EN 166 um eine echte Störlichtbogenprüfung und ist in Deutschland seit 2013 für zertifizierte Produkte verbindlich. Geprüft wird mit 400 V AC für 500 ms, Klasse 1 mit 4 kA, Klasse 2 mit 7 kA. Ein bestandenes Visier erkennen Sie an der Zusatzkennzeichnung 8 nach EN 166 und der Angabe der Schutzklasse.
Arc-Box-Test: Ein genormter Prüfaufbau, in dem ein Störlichtbogen gezielt gezündet wird. Das Visier besteht, wenn es höchstens fünf Sekunden nachbrennt, nicht durchschmilzt und die gemessene Wärmeenergie dahinter unter dem Grenzwert für Verbrennungen bleibt.
Welcher Helm-Visier-Typ passt zu Elektro, Schweißen, Energie oder Tanklager?
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Der Einsatzbereich legt fest, welche Normen der Helm und das Visier mitbringen müssen.
Elektroarbeiten und Störlichtbogen
Für Elektriker kombinieren Sie drei Nachweise: mechanischen Kopfschutz, elektrische Isolation und ein Visier mit Störlichtbogen-Nachweis nach GS-ET-29. Ein Standard-Industriehelm mit Visier bringt nur den mechanischen Schutz mit, der isolierende Elektrikerhelm schützt zusätzlich bei Arbeiten unter Spannung. Welche Störlichtbogenklasse Ihr Team braucht, legt Ihre Gefährdungsbeurteilung fest.
Schweißen und Metallbau
Beim Schleifen und Trennen setzen Sie auf ein klares Polycarbonat-Klappvisier und einen Helm mit der Zusatzkennzeichnung MM für Metallspritzer. Das Klappvisier lässt sich zwischen zwei Arbeitsgängen hochklappen, ohne dass der Helm abgenommen wird. Für den Schweißvorgang selbst bleibt der Schweißschutzschild mit passendem Filter Pflicht.
Energieversorgung und Stadtwerke
Freileitungs- und Netzarbeit verlangt Sichtbarkeit und Isolation zugleich. Der KASK Primero Hi Viz verbindet Hochsichtbarkeit mit Isolation nach EN 50365 und ist für Energieversorgung und Arbeiten in der Höhe ausgelegt. Sie bestellen ihn direkt über die Kolzen-Produktseite zum KASK Primero Hi Viz im Online-Shop auf arbeitsschutz-arbeitskleidung.de. Ergänzen Sie ihn um ein GS-ET-29-Visier, wenn an Ihren Anlagen Störlichtbögen möglich sind.
Raffinerie und Tanklager
In Anlagen mit Rohrleitungen, Kranarbeit und pendelnden Lasten reicht der Schutz von oben allein oft nicht aus. Ein Hochleistungshelm nach EN 14052 wird zusätzlich seitlich geprüft und im Scheitel mit rund 98 Joule belastet, doppelt so viel wie beim Standard-Industrieschutzhelm. Helme, die diese Prüfung mit einem integrierten Visier verbinden, finden Sie in der Helm-Kategorie im Kolzen-Shop. Für Ex-Bereiche stimmen Sie mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit ab, welche elektrostatischen Anforderungen gelten, und lassen sich die Eignung vom Hersteller bestätigen.
Visier, Gehörschutz und Brille zusammen tragen: was zu beachten ist
Helm, Visier und Gehörschutz lassen sich kombinieren, sofern die Teile aufeinander abgestimmt sind. Der Grundsatz der DGUV: Die Schutzwirkung keines Einzelteils darf durch die Kombination leiden.
Beim Gehörschutz ist die Sache klar geregelt. Kapselgehörschützer zum Anbau am Helm müssen DIN EN 352-3 erfüllen. Der Gehörschutz-Hersteller listet alle geprüften Helmmodelle in der Trägervorrichtungsliste seiner Anleitung. Steht Ihr Helm dort, ist die Kombination freigegeben.
Praxis-Tipp für den Einkauf: Bestellen Sie Helm und Kapselgehörschutz als geprüftes Paar. Ein Blick in die Trägervorrichtungsliste vor der Bestellung erspart Ihnen Rücksendungen und liefert zugleich den Nachweis für das nächste Audit.
Brillenträger testen das Visier idealerweise mit ihrer eigenen Korrektionsbrille. Entscheidend ist ausreichend Abstand zwischen Scheibe und Brille, damit nichts drückt und das Sichtfeld frei bleibt. Gegen Beschlagen wählen Sie Visiere, die der Hersteller im Datenblatt als beschlagfrei ausweist.
Ein Kinnriemen hält den Helm sicher in Position, auch mit dem zusätzlichen Gewicht von Visier und Kapseln, besonders beim Arbeiten in der Höhe oder beim Bücken. Ob Sie ein integriertes oder ein aufsetzbares Visier wählen, hängt vom Arbeitsalltag ab: Das integrierte, versenkbare Visier ist immer griffbereit und kann nicht vergessen werden. Das separat aufgesetzte Visier tauschen Sie je nach Gefährdung, etwa von klar auf getönt.
Visier prüfen, austauschen, weiterkommen im Kolzen-Shop
Ein Helm schützt nur so lange, wie sein Material intakt ist. Die DGUV empfiehlt für Helmschalen aus Thermoplast eine Gebrauchsdauer von vier Jahren, für duroplastische Schalen acht Jahre, sofern der Hersteller nichts anderes angibt. UV-Strahlung, Wärme und Witterung lassen Thermoplaste schneller verspröden.
Visiere müssen vor jedem Einsatz auf Kratzer, Risse und Eintrübungen geprüft werden. Eine zerkratzte Scheibe tauschen Sie sofort, denn sie mindert Sicht und Stoßfestigkeit. Isolierende Helme und Helme mit Schutz gegen hohe Temperaturen fallen in PSA-Kategorie III: Achten Sie hier auf die vierstellige Kennnummer der notifizierten Stelle neben dem CE-Zeichen.
Mit diesen drei Schritten kommen Sie direkt zur passenden Ausstattung:
Öffnen Sie im Kolzen Online-Shop auf arbeitsschutz-arbeitskleidung.de die Kolzen-Kategorie Schutzhelme und filtern Sie nach Norm.
Wählen Sie das Visier anhand der Gefahrenzuordnung oben und prüfen Sie die Kompatibilität mit Ihrem Helmmodell.
Fragen Sie direkt über den Kolzen Online-Shop Preis und Beratung für Ihre Stückzahl oder komplette PSA-Sets an und nennen Sie dabei Einsatzbereich und benötigte Normen.
Preise erhalten Sie auf Anfrage passend zu Menge und Ausstattung. So legen Sie Ihrer Einkaufsabteilung ein konkretes Angebot vor.
Normkombination statt Einzelsiegel: so wird die Wahl einfach
Die Kaufentscheidung fällt bei der Normkombination. Wenn Sie EN 397, EN 50365 und GS-ET-29 als zusammengehöriges Set betrachten, sehen Sie sofort, welcher Baustein Ihrem Einsatz noch fehlt. Öffnen Sie jetzt die passende Kolzen-Kategorie und fordern Sie bei offenen Fragen eine Beratung an. Sie erhalten eine normkonforme Zusammenstellung, ohne selbst Datenblätter vergleichen zu müssen.
Häufige Fragen zum Schutzhelm mit Visier
Wann brauche ich einen Hochleistungshelm nach EN 14052?
Immer dann, wenn neben herabfallenden Teilen auch seitliche Stöße drohen. EN 14052 prüft zusätzlich seitlich und mit rund doppelter Stoßenergie, was bei pendelnden Lasten, Kranarbeit und kippenden Gegenständen in Anlagen den Ausschlag gibt.
Wie dokumentiere ich die Gebrauchsdauer eines isolierenden Helms?
Über das Feld für das Datum der Erstbenutzung, das jeder Helm nach EN 50365 tragen muss. Tragen Sie das Datum bei der Ausgabe ein und vermerken Sie dort auch die wiederkehrenden Prüfungen. So ist der Stand bei jedem Audit sofort nachweisbar.
Kann ein Klappvisier nachträglich an einem vorhandenen Helm nachgerüstet werden?
Meistens ja, wenn der Helmhersteller ein passendes Visier oder Adaptersystem für genau dieses Modell vorsieht. Welche Visiere zu Ihrem Helm passen, steht in der Anleitung des Helmherstellers. Nicht freigegebene Kombinationen können die Schutzwirkung mindern.
Ist ein Schutzhelm mit Visier auch für Forst- oder Grünarbeiten geeignet?
Ja, mit einem Gittervisier gegen Astsplitter und einem Helm, der zu Ihrer Gefährdung passt. Da bei Motorsägen und Freischneidern Gehörschutz dazugehört, prüfen Sie die Trägervorrichtungsliste des Kapselgehörschutzes für Ihr Helmmodell.
Wer legt die nötige Störlichtbogenklasse fest?
Der Arbeitgeber, über die Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Anlage. Ihre Elektrofachkraft ermittelt dafür, welches Störlichtbogen-Niveau an Ihren Schaltanlagen auftreten kann, und leitet daraus Klasse 1 oder Klasse 2 ab.
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