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Sicherheitsschuhe mit ESD: S1–S3, Normen & Auswahl

Sicherheitsschuhe mit ESD: S1–S3, Normen & Auswahl

Sicherheitsschuhe mit ESD leiten elektrostatische Ladung kontrolliert ab, damit weder empfindliche Elektronik noch eine zündfähige Atmosphäre gefährdet wird. Nach DIN EN 61340-5-1 muss der Durchgangswiderstand des Systems aus Mensch, Schuh und Boden dafür unter 108 Ohm liegen. Welches Modell dazu passt, hängt vor allem von Ihrer Arbeitsumgebung ab.

In der Elektronikfertigung, an Hochvoltbatterien oder in einer Ex-Zone reicht ein normaler antistatischer Sicherheitsschuh oft nicht mehr aus. Die zulässige Restladung ist dort enger begrenzt. Das gelbe ESD-Symbol auf dem Schuh bestätigt die zusätzliche Prüfung nach DIN EN 61340-5-1.

Die Wahl der falschen Klasse kostet im Ernstfall mehr als nur den Schuhpreis:

  • ESD-Schuhe sind immer antistatisch, aber nicht jedes antistatische Modell erreicht den engeren ESD-Grenzwert.

  • S1P ESD eignet sich für trockene Werkhallen mit Spänen und Metallresten am Boden.

  • In den Ex-Zonen 0, 1, 20 und 21 schreibt die TRBS 2153 ableitfähige Schuhe unter 108 Ohm vor.

  • Ableitfähige Modelle kosten bei Kolzen meist zwischen 90 und 150 Euro, Premium-Stiefel mit BOA-System bis rund 280 Euro.

Welcher ESD-Sicherheitsschuh passt zu Ihrer Arbeitsumgebung?

Für eine trockene Elektronikfertigung reicht meist ein S1- oder S1P-Schuh mit ESD-Kennzeichnung. Ex-Zonen und Raffinerien verlangen dagegen ein ATEX-zertifiziertes S3-ESD-Modell mit Durchtrittschutz. Fünf typische Einsatzbereiche und der passende ESD-Sicherheitsschuh aus dem Kolzen-Sortiment im Überblick.

Einsatzbereich

Empfohlene Klasse

Beispielmodell

Preis ca.

Elektronikfertigung, EPA mit Sitzarbeitsplatz

S1 ESD / S1P ESD

U-Power Michelle S1P ESD

ab 88 €

Werkhalle mit Spänen und Metallresten am Boden

S1P ESD

U-Power Bruce S1P ESD

ab 84 €

Hochvoltbatterie-Montage mit mechanischer Belastung

S1PS / S3S ESD

Base K-Jump / K-Road ESD

116–146 €

Ex-Zone 0, 1, 20 oder 21, Raffinerie, Tanklager

S3 ESD, ATEX-zertifiziert

Jalas Gran Premio 1598 GP S3 ESD

ca. 243 €

Dauereinsatz mit häufigem An- und Ausziehen

S3 ESD mit BOA-Schnellschnürung

Jalas Heavy Duty 1358 S3 ESD

ca. 277 €

Liegt Ihr Betrieb zwischen zwei Anforderungen, etwa bei einer Hochvoltbatterie-Montage mit gelegentlichem Kontakt zu Kanten und Werkzeugresten, empfiehlt sich meist gleich die höhere Klasse S3 ESD. So sind Sie auch für eine spätere Zonenverschiebung oder eine verschärfte Werksvorgabe gerüstet.

Was unterscheidet ESD-Sicherheitsschuhe von antistatischem Schuhwerk?

ESD-Sicherheitsschuhe erfüllen automatisch die antistatischen Basiswerte der EN ISO 20345, doch längst nicht jeder antistatische Schuh erreicht den engeren ESD-Grenzwert der DIN EN 61340-5-1. Bereits die Sicherheitsklasse S1 verlangt einen Widerstand zwischen 100 Kiloohm und 1.000 Megaohm. Das ist die antistatische Grundausstattung nach EN ISO 20345, unabhängig vom ESD-Zeichen.

Für das ESD-Zeichen gilt ein engerer Korridor. Das Mensch-Schuh-Boden-System darf laut DIN EN 61340-5-1 (VDE 0300-5-1):2017-07 nicht über 108 Ohm liegen, nach unten begrenzt bei 100 Kiloohm. Viele Modelle halten zusätzlich den strengeren, vor der Normrevision 2017 empfohlenen Wert von unter 35 Megaohm ein. Dieser Praxiswert ist heute kein normativer Pflichtwert mehr, gilt aber weiterhin als zusätzliche Sicherheitsmarge.

Gut zu wissen: Das gelbe ESD-Symbol mit stilisierter Hand und Erdungsbogen kennzeichnet Schuhe, die zusätzlich zur antistatischen Grundanforderung nach DIN EN 61340-5-1 geprüft und zertifiziert sind. Ein reines „Antistatik"-Etikett allein reicht für diese Kennzeichnung nicht aus.

Wie ordnen sich S1, S1P, S2 und S3 mit ESD ein?

Jede Klasse baut auf der vorherigen auf. S1 ESD deckt trockene Innenbereiche ab. S3 ESD ergänzt Durchtrittschutz und eine griffige Außensohle für Baustellen und Ex-Zonen.

  1. S1 ESD: geschlossener Fersenbereich und Energieaufnahme für Werkstatt, Lager oder Elektronikmontage, ohne Durchtrittschutz.

  2. S1P ESD: zusätzlich durchtrittsichere Sohleneinlage gegen Nägel und Späne, weiterhin ohne wasserabweisendes Obermaterial.

  3. S2 ESD: wasserabweisendes Obermaterial für feuchte Bereiche, aber ohne Durchtrittschutz.

  4. S3 ESD: wasserabweisendes Obermaterial, Durchtrittschutz und profilierte, rutschhemmende Sohle für Außenbereiche und Ex-Zonen.

Seit der Revision der EN ISO 20345 im Jahr 2022 liegt die kraftstoffbeständige Sohle (FO) bei S1 im Ermessen der Hersteller. Prüfen Sie das Datenblatt, wenn Ihr Betrieb regelmäßig mit Kraftstoffen oder Lösemitteln arbeitet.

Wann sind ESD-Sicherheitsschuhe in EPA-Bereichen und Ex-Zonen Pflicht?

In den Ex-Zonen 0, 1, 20 und 21 schreibt die TRBS 2153 ableitfähige Schuhe zwingend vor. In EPA-Bereichen der Elektronikfertigung ist die ESD-Kennzeichnung technisch notwendig, auch ohne eigene Bußgeldvorschrift.

EPA-Bereiche in der Elektronikfertigung

Eine Electrostatic Protected Area (EPA) ist ein Arbeitsbereich, in dem Bauteile gezielt vor elektrostatischer Entladung geschützt werden. Beim Stehen bildet der ableitfähige Schuh zusammen mit einem ebenfalls ableitfähigen Boden die wichtigste Erdungsmaßnahme. Am Sitzarbeitsplatz ergänzt zusätzlich ein Handgelenkband den Schutz.

Für das Personen-Schuh-Boden-System gilt laut DIN EN 61340-5-1 ein Grenzwert von 3,5 × 107 Ohm. Ohne diese Begrenzung könnten sich Personen auf bis zu 1.000 Volt aufladen. Mit dem Grenzwert bleibt die Aufladung nach dem Human-Body-Modell unter 100 Volt.

Ex-Zonen nach ATEX in Raffinerien und Tanklager

In Tanklagern, Raffinerien und der Petrochemie verlangt die TRBS 2153 unter Punkt 7.1 ableitfähige ATEX-Sicherheitsschuhe mit einem Durchgangswiderstand unter 108 Ohm. Für die Zertifizierung werden die Schuhe in Klimaklasse 1 bei 12 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit oder Klimaklasse 2 bei 25 Prozent künstlich vorkonditioniert. Auch unter diesen trockenen Bedingungen muss der Widerstand unter dem Grenzwert bleiben, ein TÜV prüft das nach DIN EN 61340-4-3.

Hochvoltbatterie-Montage: dringend empfohlener Standard

Für die Hochvoltbatterie-Montage gibt es keine eigene branchenspezifische Rechtsvorschrift wie die TRBS für Ex-Zonen. In der Praxis gilt die ESD-Kennzeichnung nach DIN EN 61340-5-1 dort trotzdem als betrieblicher Standard, weil Steuergeräte, Fahrzeugelektronik und E-Mobility-Komponenten hohe Anforderungen an den Ableitschutz stellen. Die vollständige Schutzausrüstung für diesen Bereich beschreibt der Beitrag Schutzkleidung Hochvoltbatterie: PSA-Set & Normen 2026.

Wie bleiben ESD-Sicherheitsschuhe dauerhaft ableitfähig?

Ableitfähigkeit funktioniert nur mit sauberen Sohlen. Harz-, Wachs- oder Lackreste verändern den elektrischen Widerstand messbar und heben ihn nicht selten über den zulässigen Grenzwert.

Eine feste Prüffrist schreibt keine Norm vor. In der Praxis empfiehlt sich trotzdem eine regelmäßige, im Idealfall tägliche Sichtkontrolle der Sohle vor Schichtbeginn, besonders nach Arbeiten mit Öl oder Lack.

Tauschen Sie die Einlegesohle nur gegen ein vom Hersteller freigegebenes, ebenfalls antistatisches Modell. Andernfalls kann die Ableitfähigkeit verloren gehen. Bei orthopädischer Zurichtung verlangt die DGUV Regel 112-191 ohnehin eine Prüfung durch ein akkreditiertes Institut.

Bestellen Sie im Zweifel eine halbe Nummer größer, besonders wenn Sie zwischen zwei Schuhgrößen liegen oder dickere Socken unter dem ESD-Schuh tragen. Ein zu enger Schuh verändert den Sitz der Einlegesohle und damit den Kontakt zur Fußsohle.

Wie kombinieren Sie ESD-Schuhe zum kompletten Ableitsystem?

Der Schuh leitet Ladung nur ab, wenn der Boden ebenfalls ableitfähig ist und die Kleidung darüber keine neue Ladung erzeugt. Nach EN 1149-5 zertifizierte, antistatische Oberbekleidung ergänzt den Schuh zu einem durchgängigen Ableitsystem vom Kragen bis zur Sohle.

Passende Sets für Werkstatt, Elektronikfertigung und Ex-Bereich beschreibt der Beitrag Flammhemmende antistatische Schutzkleidung: Sets & Normen 2026. Für den Außeneinsatz an Tanklagern oder auf Baustellen sollte auch die Wetterschutzkleidung dieselbe Zertifizierung tragen, damit die Ableitkette an keiner Stelle unterbrochen wird.

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Vom einzelnen Schuh zum geprüften Gesamtsystem

Ein einzelner ESD-Schuh mit korrektem Widerstandswert schützt nur so lange, wie Boden, Kleidung und Prüfintervall mitziehen. An genau dieser Schnittstelle zwischen Schuh, Boden und Kontrolle scheitern die meisten Betriebe in der Praxis, selten am Zertifikat des Schuhs selbst.

Prüfen Sie beim Kauf deshalb die Klasse ebenso wie den Hallenboden und die Kleidung auf dieselbe Widerstandsklasse. Wer diese drei Punkte einmal jährlich gemeinsam kontrolliert, reduziert das Risiko einer stillen Entladung deutlich stärker als durch ein einzelnes Premium-Modell an den Füßen.

Häufige Fragen zu Sicherheitsschuhen mit ESD

Reicht ein normaler antistatischer Sicherheitsschuh ohne ESD-Kennzeichnung in der Elektronikfertigung?

Nein, ein rein antistatischer Schuh nach EN ISO 20345 deckt nur den breiten Widerstandsbereich zwischen 100 Kiloohm und 1.000 Megaohm ab. Für eine EPA nach DIN EN 61340-5-1 ist der engere, geprüfte ESD-Bereich mit dem gelben Symbol erforderlich.

Wie oft sollte ich den Widerstand meiner ESD-Sicherheitsschuhe prüfen lassen?

Eine feste Prüffrist schreibt keine Norm vor. Empfehlenswert ist eine regelmäßige, idealerweise tägliche Sichtkontrolle der Sohle sowie eine punktuelle Widerstandsmessung, sobald die Sohle sichtbar verschmutzt oder abgenutzt ist.

Darf ich in ESD-Sicherheitsschuhen eigene orthopädische Einlagen verwenden?

Nein, nur vom Hersteller freigegebene und selbst antistatisch geprüfte Einlagen erhalten die Ableitfähigkeit. Bei orthopädischer Zurichtung schreibt die DGUV Regel 112-191 zusätzlich eine Prüfung durch ein akkreditiertes Institut vor.

Eignen sich S3-ESD-Sicherheitsschuhe auch für Baustellen im Freien?

Ja, S3 ESD kombiniert wasserabweisendes Obermaterial, Durchtrittschutz und eine profilierte, rutschhemmende Sohle. Das macht die Klasse zur Standardwahl für wechselnde Untergründe im Außenbereich, etwa auf Baustellen oder in Tanklagern.

Brauche ich für die Hochvoltbatterie-Montage zwingend ATEX-zertifizierte ESD-Schuhe?

Nein, die ATEX-Zertifizierung ist gesetzlich nur in den Ex-Zonen 0, 1, 20 und 21 vorgeschrieben. In der Hochvoltbatterie-Montage genügt in der Regel die ESD-Kennzeichnung nach DIN EN 61340-5-1 ohne zusätzliche ATEX-Prüfung.

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